Digitale Transformation
Industrie 4.0 Human

Die Rolle der deutschen Hochschulen bei der digitalen Transformation

Der technische Fortschritt hat schon immer die Lebens- und Arbeitswelt der Menschen beeinflusst. Die aktuelle Welle der Digitalisierung hat aber das Potential, diese zu revolutionieren und auch die Struktur unseres Wirtschaftssystems nachhaltig zu verändern. Es drängen sich Vergleiche mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert auf und es deuten sich Entwicklungen an, welche vor allem die Rolle des Menschen im Arbeitsprozess nachhaltig verändern werden.

 

Der Wirtschaftsstandort Deutschland

Deutschland hat eine globale Spitzenposition in der Wirtschaft und ist vor allem für seine Industrieprodukte bekannt und geschätzt. Deutsche Großunternehmen in den Bereichen Automobil, Maschinenbau und Chemie sind weltklasse und viele deutsche Mittelständler sind „hidden champions“ in ihren Bereichen. Die Erfolgsfaktoren in der Vergangenheit waren dabei das aktuelle Wirtschaftssystem, die stabilen politischen Rahmenbedingungen in Europa und nicht zuletzt die berühmte deutsche Arbeitsmoral.

Für die Zukunft deuten sich allerdings gravierende Veränderungen für den Wirtschaftsstandort an und die ersten Auswirkungen sind in einigen Teilbereichen schon spürbar. Viele Berufe in der bisherigen Form werden verschwinden, weil die Arbeit durch Roboter und künstliche Intelligenz besser und kostengünstiger erbracht werden kann, z.B. könnten selbstfahrende Fahrzeuge Taxifahrer und Lkw-Fahrer ersetzen, Positionen in der Steuerberatung und Rechtsberatung könnten durch Algorithmen und künstliche Intelligenz entlastet bzw. ersetzt werden.

Die Experten weltweit sind sich einig, dass in großem Umfang Arbeitsplätze verschwinden werden, weil Arbeit durch Automatisierung besser und kostengünstiger erbracht werden kann. Zeitgleich werden Berufe und Arbeitsplätze dadurch entstehen, weil die neuen Technologien dies erfordern bzw. neue Geschäftsmodelle möglich werden, z.B. Data Scientist, Roboter-Techniker. Uneinigkeit herrscht bei den Experten allerdings darüber, ob die beiden Entwicklungen unter dem Strich eine positive oder negative Bilanz bei den Arbeitsplätzen ergeben. Einige Studien zeichnen hier Horrorszenarien und sehen bis zu 47 Prozent der Arbeitsplätze bedroht. Der Stellenabbau wird laut diesen auch Positionen betreffen, die typischerweise akademisch besetzt sind. Andere Studien wiederum rechnen mit einem deutlichen Boom gerade auch bei besonders qualifizierten Tätigkeitsbereichen.

Für Deutschland sind die meisten Prognosen positiv. Eine Voraussetzung ist allerdings, dass man sich den Herausforderungen stellt und sich dem Fortschritt nicht in den Weg stellt. Für die Politik bedeutet dies, dass man Rahmenbedingungen anpassen und Richtungsentscheidungen geben muss, z.B. Veränderungen von gesetzlichen Grundlagen und nachhaltige Investitionen in die Infrastruktur. Die Wirtschaftsunternehmen müssen Prozesse und Geschäftsmodelle im Sinne der Digitalisierung transformieren, z.B. sich von nicht lukrativen Bereichen verabschieden und neue Geschäftsbereiche mit neuen Geschäftsmodellen erschließen. Die Arbeitnehmer müssen sich dem verändernden Arbeitsmarkt anpassen und ggf. komplett neu orientieren.

 

Die Rolle des Bildungssystems und insbesondere der akademischen Bildung

Einer der wichtigsten Schlüsselfaktoren für den wirtschaftlichen Erfolg in Deutschland war in der Vergangenheit das Bildungssystem. Hier leistete z.B. das duale System zur beruflichen Bildung einen entscheidenden Beitrag für die Qualität der Arbeitnehmer und wirkte sich unmittelbar auf die gute Performance der Unternehmen aus. Auch heute ist das System im Vergleich zu anderen Ländern noch gut, aber man bemerkt erste Friktionen. Für die Gestaltung der Zukunft muss deshalb transformiert werden. Die jährlichen Bildungsberichte zeigen, dass z.B. dringend Investitionen in Personal und Infrastruktur notwendig sind. Aber auch das System insgesamt muss auf den Prüfstand und einzelne Bausteine im Bildungssystem auf Zukunftsfähigkeit im Sinne der Digitalisierung  durchleuchtet werden.

Eine immer wichtigere Rolle kommt den deutschen Universitäten und Hochschulen zu. Diese stehen an der Spitze des Bildungssystems und haben schon immer eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des Arbeitsmarktes gespielt. Sie sollen den akademischen Nachwuchs nicht nur für die Herausforderungen der Gegenwart ausbilden, sondern vor allem für die Chancen der Zukunft gut aufstellen. Eine wichtige Funktion hat dabei auch die Forschung, welche stärker als jemals zuvor unmittelbare Auswirkungen auf die Zukunftsfähigkeit des deutschen Wirtschaftsstandortes haben wird.

Folgende Erwartungen werden deshalb an Universitäten und Hochschulen gestellt:

  • Vermittlung von Grundlagenwissen zur Digitalisierung in allen Fachbereichen, weil absehbar ist, dass früher oder später alle Bereiche von Gesellschaft und Wirtschaft mit entsprechenden Veränderungen rechnen müssen.
  • Vermittlung von Kompetenzen, welche auf dem aktuellen und besonders auf dem zukünftigen Arbeitsmarkt von Relevanz sind.
  • Wahrnehmung der Rolle als Impulsgeber und positiver Begleiter der Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Die FOM Hochschule versucht diesen Ansprüchen durch eine praxisnahe und kompetenzorientierte Lehre zu begegnen. So wurde z.B. der FOM Masterstudiengang Big Data & Business Analytics erfolgreich etabliert, um dem Bedarf Rechnung zu tragen.

Die konsequente Orientierung am Arbeitsmarkt sorgt dafür, dass neben der Wirtschaft die Studierenden am meisten profitieren. Als wichtige Ergänzung der Lehre wird auch eine praxisnahe und transferorientierte Forschung gesehen.

 

Die Weiterentwicklung der akademischen Bildungseinrichtungen

Die Universitäten und Hochschulen müssen sich neben der ständigen Aktualisierung ihrer Curricula und der Weiterentwicklung der Kompetenzvermittlung auch um die Anpassung ihrer Dienstleistung insgesamt kümmern. Während in den letzten 100 Jahren vieles im Kern gleich geblieben ist, z.B. die Vorlesungen in Hörsälen und die Struktur eines Studiums, kann und muss nun grundlegend neu gedacht werden.

Die voranschreitende Digitalisierung beeinflusst in erheblichen Maße das deutsche Hochschulsystem und die Art, wie zukünftig studiert werden kann. Folgende Trends sind hier erkennbar:

  • Erleichterung der Organisation und Kommunikation an Hochschulen, z.B. Online-Plattformen, Online-Anmeldung, Lern-Management-Systeme
  • Wandel bei der Durchführung von Lehre und der Rolle der Lehrenden, z.B. virtuelle Kurse, Einsatz neuer Medien
  • Veränderung der Art des Lernens und Verbesserung der Förderung individueller Lernpräferenzen, z.B. Nutzung von Lern-Apps auf dem Smartphone, Einsatz von Learning Analytics
  • Höhere Durchlässigkeit und mehr Relevanz für lebenslanges Lernen, z.B. im Sinne des Open Loop Konzepts von Stanford 2025 mit einem regelmäßigen Zurückkehren an die Hochschule
  • Neue leistungs- und finanzstarke Akteure (z.B. EdTechs, Google, Apple) tauchen auf dem Bildungsmarkt auf und bauen ihre Reichweite und ihr Angebot auch auf akademischen Feldern aus

 

Schlussfolgerungen für die akademische Bildung

Die eigene Bildung wird zukünftig nicht mehr als strukturierte Herkulesaufgabe am Beginn eines Erwerbslebens stattfinden, sondern die Menschen flexibel und lebenslang begleiten. Dies wird insbesondere den Bereich der akademischen Bildung betreffen. Hier hat sich in der Vergangenheit die erbrachte Leistung im Vergleich am meisten gelohnt. Wie Studien regelmäßig beweisen, bringt eine bedarfsgerechte akademische Ausbildung in den meisten Fällen eine gute und ertragreiche Arbeitsstelle mit sich.

Es deutet sich aber an, dass die Digitalisierung die Karten hier neu mischen wird. Was nützt beispielsweise ein grundsolides Fachstudium, wenn zukünftig Algorithmen und künstliche Intelligenz immer komplexere Aufgaben übernehmen können? Im Gegensatz zum Menschen werden diese nicht müde und machen kaum Fehler. In einem solchen Fall kommt dann der Moment, dass man sich auch als Akademiker nochmal umfangreich weiterbilden oder beruflich umorientieren muss. Hier hilft es, wenn entsprechende Bildungsangebote an der Hochschule existieren, die an die bestehende akademische Ausbildung anknüpfen und bei der persönlichen Weiterentwicklung helfen. Dies muss dann aber mehr sein als nur nach dem Bachelor einen Master anzubieten. Hier sind z.B. spezielle Aufbaustudiengänge zur gezielten Umorientierung denkbar oder innovative Nano-degrees oder Zertifikatskurse für schnelle Qualifikationen bei  gesuchten Trendthemen. Kombiniert mit einer zeitgemäßen und ortsunabhängigen Erbringung der Lehre, z.B. durch Webinare und Nutzung von digitalen Lernmaterialien, kann somit die akademische Ausbildung der Vergangenheit auch in Zukunft ihren Wert behalten und die Grundlage für etwas Neues werden. Die Hochschulen in Deutschland sollten dies erkennen und den Wandel gestalten, sonst laufen sie Gefahr, dass sie die ihnen in unserem Bildungssystem angedachte Leistung nicht mehr erbringen können und durch andere Akteure ersetzt werden.